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| Der erste Blick - The first view |
Der 1. Erste Tag
Der Regen brachte die Sonne zum Vorschein. Oder war das nur die innere Sehnsucht, dass alles endlich aufhören sollte? Eine Sehnsucht, die ich in inneren Selbstgesprächen immer wieder formuliert hatte, mir bis dahin aber nicht eingestehen wollte.
Es schien doch, als wäre ich angekommen, als hätte ich mich in der letzten Nacht wirklich bewegt. Mit dem Zug, dem Flugzeug, zuletzt in einem Auto durch eine fremde Stadt. Selbst die lange Wartezeit auf Bahnhöfen und bei der Flugabfertigung war Bewegung gewesen. Aber es geht nicht schnell, ich will nicht vergessen. Noch nicht. Darum hingen die Tage der letzten Jahre wie Steine in einem Sack an meiner Schulter, jeder Schritt war ein zähes Waten in der Vergangenheit, um sie hinter mir zu lassen.
Was hier auf mich gewartet hat, war nicht das Erwartete. Immer wieder fallen wir auf Fassaden herein und interessieren uns nicht für die Konstruktion dahinter. Da glaubt man ein ums andere Mal, dass ein wenig Tünche genügt, um alles zu ändern. Ich weiß es besser. Aber die meisten Fallen im Leben suchen wir, um hinein tappen zu können. Wir brauchen diese Art von Selbstbestätigung. Als Menschen liegt uns Gewohnheit mehr als Veränderung, auch wenn das Eine schlecht ist und das Andere besser wäre.
In der Vergangenheit der letzten Jahre gab es den Plan für eine Zukunft, die ich nicht gewollt habe. Darum finde ich mich in einer Gegenwart, die anders ist als gedacht. An dem Tag als ich ankam im Regen dieser Stadt zwischen Flussmündung und Atlantik, wusste ich das noch nicht. Konnte es nicht wissen. Die Blätter im Buch meiner Geschichte waren leer wie immer, bevor ich sie beschrieb mit Leben und Erleben. Da sich ein Wort an das vorhergehende anknüpft, ein Satz dem nächsten vorausgeht und somit die eigene Geschichte entsteht, hätte mir das klar sein können.
An diesem ersten Tag duckte sich Lissabon unter Regen und Wolkenschleiern. Doch bereits das Grau der Ankunft ließ den Zauber ahnen, der ausgeht von hier. Mit dem die Stadt am Tejo einfängt und verführt, festhält und die Lust auf mehr immer wieder erneuert.
Dabei war der Start kaum rund. Wer bekommt schon einen perfekten Anfang hin beim ersten Anlauf? Mein Wohn-, Schlaf-, Lebensraum für die kommenden 12 Monate hatte die Grundfläche eines Strandlakens. Eines großzügig bemessenen Strandlakens immerhin, aber mehr nicht. Die Möbel einigermaßen sinnvoll zu arrangieren kam einem Tetrisspiel gleich. Der Ausblick zeigte den Gang vor dem Fenster, vor dem die Wohnungstüren abgingen. Mit ausgestrecktem Arm konnte ich bei den Nachbarn anklopfen und frische Luft bekam ich nur zugeführt, wenn auch die Verglasung in der Außenwand des Gebäudes geöffnet war.
Nachdem ich die Nüchternheit beim Anblick des Zimmers verdaut hatte, das man mir in dem Appartement zugewiesen hatte, konnte ich die Wohnung nicht verlassen. Keiner der fünf Schlüssel, die ich nacheinander benötige, um bis in mein Zimmer zu gelangen, passte in der Haustür. Weder vorne noch hinten. Ich fuhr hinauf in die Wohnung in den sechsten Stock und trank ab und zu einen Espresso. Während der Regen sich selbst und diesem Donnerstag im März treu blieb, wanderte ich zwischen meinem Zimmer, der Küche und dem Wohnzimmer hin und her, bezog das Bett mit der bereitgelegten Bettwäsche und versuchte mich einzurichten.
Man kommt nicht an in irgendeinem Raum, einer Umgebung, einer Gegend. Wenn man nicht ankommt bei sich selbst, bleibt man selbstverlassen. Bleibt hängen irgendwo in der Vergangenheit, in einem Geschehen, an einem Ort, der nicht mehr von Bedeutung sein sollte. Weil es/er das nie war.
-->The 1st first day
The rain brought out the sun. Or was it just the inner longing that everything should finally stop? A longing that I had formulated again and again in inner self-talks, but had not wanted to admit to myself until then.
It seemed as if I had arrived, as if I had really moved in the last night. By train, by plane, finally in a car through a strange city. Even the long wait at train stations and during flight handling had been movement. But it doesn't go fast, I don't want to forget. Not yet. That's why the days of the last few years hung like stones in a sack on my shoulder, every step was a tough wading in the past to leave them behind me.
What was waiting for me here was not the expected. Again and again we fall for facades and are not interested in the construction behind them. One believes time and time again that a little whitewash is enough to change everything. I know better. But we look for most traps in life in order to be able to tap into them. We need this kind of self-affirmation. As human beings, habit is more important to us than change, even if one is bad and the other would be better.
In the past of recent years there has been a plan for a future that I did not want. That is why I find myself in a present that is different than I thought. The day I arrived in the rain of this city between the mouth of the river and the Atlantic Ocean, I didn't know that yet. Couldn't know it. The leaves in the book of my story were empty as always, before I described them with life and experience. Since one word is tied to the previous one, one sentence precedes the next and thus my own story emerges, this could have been clear to me.
On this first day Lisbon ducked under rain and clouds. But already the grey of the arrival gave a glimpse of the magic that emanates from here. With which the city on the Tejo captures and seduces, captures and renews the desire for more again and again.
The start was hardly round. Who gets a perfect start at the first attempt? My living, sleeping and living space for the next 12 months had the size of a beach sheet. A generously dimensioned beach sheet at least, but nothing more. To arrange the furniture in a reasonable way was like playing Tetris. The view showed the corridor in front of the window, in front of which the apartment doors went off. With outstretched arm I could knock on the neighbours' door and fresh air was only given to me if the glazing in the outer wall of the building was also open.
After I had digested the sobriety at the sight of the room which had been assigned to me in the apartment, I could not leave the apartment. None of the five keys I needed one after the other to get into my room fitted in the front door. Neither in front nor behind. I drove up to the apartment on the sixth floor and had an espresso from time to time. While the rain remained true to itself and to this Thursday in March, I wandered back and forth between my room, the kitchen and the living room, moved into the bed with the bed linen ready and tried to set myself up.
You don't arrive in any room, environment, area. If you don't arrive at yourself, you are left alone. It gets stuck somewhere in the past, in an event, in a place that should no longer be important. Because it never was.<--

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