Wednesday, December 26, 2018

Der 2. 1. Tag - Lissaboner Skizze | The 2nd 1s day - Lisbon Draw



Der Bus kam nicht weit. Kaum hatte er sich gelöst aus dem Stau nach dem Unfall, wurde er auf einen Parkstreifen neben der Fahrbahn gewinkt. Mit MPs bewaffnete Uniformierte sicherten die Eingänge, während andere die Reihen durchkämmten und einen nach dem anderen der Insassen kontrollierten.


Neben uns brandete der Verkehr weiter im Pulsschlag, den die Ampelphasen vorgaben, in der Geschwindigkeit, diktiert von Ministaus und verhaktem Blech an Kreuzungen und Kreisverkehren. Immer wieder bildeten sich Thromben, doch die lösten sich auf mit der Zeit und es schob und drängte und hupte sich weiter durch den Morgen mit seinem Berufsverkehr. Für uns interessierte sich niemand. Es bleibt keine Zeit für Interesse in dieser Zeit. Man hat zwar nicht gelernt, für sich selbst verantwortlich zu sein, doch das ersetzt man durch konsequente Ignoranz.
Das Eigenartige war, dass auch mich das nicht interessierte, was um mich herum geschah. Ich zeigte dem Kontrolleur mein Ticket, damit dieser das abscannen konnte. Alles in Ordnung. Ich hatte nicht nur Guthaben aufgeladen, sondern war beim Einstieg auch eingecheckt worden. Die mit weniger Glück oder mit mehr Dummheit wurden aus dem Bus geführt und von den Bewaffneten in Empfang genommen.
Krasse Fahrscheinkontrolle in Lissabon.
Ich hatte Wichtigeres im Kopf. Ich würde zu spät kommen an meinem ersten tag. Und ich musste so dringend aufs Klo, dass ich mir verstohlen den Bauch hielt und nur noch flacht zu atmen wagte.


Der Morgenschweiß war getrocknet, als ich den Trainingsraum betrat. Nachdem ich vom Bus aus telefoniert hatte mit der Firma, um Bescheid zu sagen und eine halbe Stunde später mithilfe von Google Maps Straße und Hausnummer gefunden hatte, konnte ich nicht gleich an der Maßnahme teilnehmen. Zuerst bat ich die Dame am Empfang, mir den Weg zum Örtchen zu zeigen. Wenigstens war ich nun erleichtert und unverkrampft.
"Du musst Christian sein", stellte der Trainer trocken fest.
'Klar', dachte ich, 'identifiziert an dem Markenzeichen zu spät am ersten Tag.'
"Chris genügt", versuchte ich es ebenso trocken. "Der Bus kam nicht so voran, wie er sollte."
"Ja, ja, die Busse hier. Das kennt man ja", tönte es verständnisvoll von irgendwoher. Ein netter Versuch, um die Legende zu bestätigen, dass die Öffentlichen hier nicht so steif an Fahrplänen orientiert sind wie - ja, wie was oder wo? Gemeckert wird immer und überall, ob zu Recht oder nicht. Meist sind es nur verbale Abarbeitungen und mir nutzte alles das nichts. Zu spät ist zu spät
Der freie Platz direkt an der Tür passte mir gut. Ich ließ mich nieder, kam um ein paar kurze Worte über mich selbst jedoch nicht herum. Damit war ich erstmal im Nachteil, denn die Vorstellungen der anderen wurden für mich natürlich nicht wiederholt. Nach einigen verstohlenen, vorsichtig-neugierigen Blickwechseln wandte sich die Aufmerksamkeit aber wieder dem Vortragenden zu. So konnte ich mich umsehen.

Bei einem Besuch im Seniorenheim senke ich immer noch den Altersdurchschnitt. Hier, in diesem fensterlosen, kunstbeleuchteten, schlecht klimatisierten Trainingsraum im Kellergeschoss, war das andersherum. Wie bei den meisten Treffen in dieser Zeit katapultierte ich den Durchschnitt nach oben. Das bringen die Jahre mit sich und da ich in den meisten Fällen nicht bereit bin mit der Zeit meiner Generation zu gehen und einfach alt zu sein, lande ich immer wieder bei jüngeren Menschen.

Die Woche verging wie im Flug, das Neue forderte mentale Energie, um sich darauf einzustellen. In diesem März/April ließ Lissabon bereits ahnen, was es uns für einen Sommer bringen würde. Die Tage waren warm und klar, mittags, wenn es zum Lunch ging, sogar heiß. In die Straßenschlucht flutete das Sonnenlicht hinein um diese Zeit und heizte die Mauern schnell auf.
Die Einzelheiten sind für mich nicht mehr abrufbar. Ein Gesamtgemisch ist hängengeblieben. Menschen, Atmosphäre, Grundsätze der Firma. Nicht, dass wir interessantes Wissen vermittelt bekommen haben in diesen Tagen bis zum Abschlusstest. Es waren Leitlinien, wie der Job dann zu machen ist. Für das Leben konnte man nichts lernen dabei, aber für das Überleben. Wenn man die Notwendigkeit, Geld zu verdienen mit der Möglichkeit zum Überleben gleichsetzt. Und irgendwie ist es schließlich auch so.

Training geschafft, der Start im Job kam als nächstes. Das war er also, der Neubeginn eines Zwischenspiels. So war es geplant. So kam es nicht. Immer noch bin ich hier, fast zwei Jahre später, und genieße meine Zeit. Ich fange nicht immer noch an, aber immer wieder. Jeden Tag, jeden Augenblick. Vielleicht hält mich das jung im Kopf, dieses nicht immer nur Einlassen auf die Routine. Routine als Maßnahme, um Energie zu sparen in Momenten, in denen man nicht beständig die Konzentration eines Hirnchirurgen braucht, ist okay. Bedenklich ist es, wenn das Gleichmaß zum Lebensstil wird. Es stumpft dich ab. Aber jeder muss für sich selbst entscheiden, wie er die Dinge handhabt und mit sich selbst umgeht.



Der zweite erste Tag in Lissabon. Ich habe aufgehört, die Anfänge zu zählen. Gestern war wieder einer und das ganz ohne besondere Vorkommnisse. Auch vorhin, da passierte es. Im Grunde tut es das unablässig. Gerade stand Weihnachten noch vor der Tür, schon wieder ist es vorbei. Und das neue Jahr geht in ein paar Tagen nicht mit einem Bruch zu ende. Es beginnt ein neues.
Ein neuer Anfang.
Immer wieder.

Bilder aus diesen Tagen




 




 


The bus didn't get far. As soon as it had left the traffic jam after the accident, it was waved onto a parking lane next to the road. Uniforms armed with MPs secured the entrances, while others combed through the rows and checked one by one of the occupants.


 


Next to us, the traffic continued to burn at the pulse rate dictated by the traffic light phases, at speed dictated by mini jams and jammed metal at intersections and roundabouts. Again and again thrombuses formed, but they dissolved with time and it pushed and pushed and honked itself further through the morning with its rush hour. Nobody was interested in us. There is no time for interest in this time. One has not learned to be responsible for oneself, but that is replaced by consequent ignorance.


 


The strange thing was that I wasn't interested in what was happening around me either. I showed my ticket to the inspector so he could scan it. Everything is fine. I had not only loaded up credit, but had also been checked in at the start. Those with less luck or with more stupidity were led out of the bus and received by the armed ones.


Awesome ticket control in Lisbon.


 


I had more important things on my mind. I would come too late on my first day. And I had to go to the toilet so badly that I secretly held my stomach and only dared to breathe flatly.


 


The morning sweat was dry when I entered the training room. After I had called the company from the bus to let them know and found the street and house number half an hour later using Google Maps, I couldn't take part right away. First I asked the lady at the reception to show me the way to the place. At least now I was relieved and relaxed.


 


"You must be Christian", the trainer stated dryly.


Sure', I thought, 'identified by the trademark too late on the first day'.


"Chris is enough", I tried it just as dryly. "The bus didn't go as well as it should."


"Yes, yes, the buses here. You know that," it sounded understanding from somewhere. A nice attempt to confirm the legend that the public are not as stiffly oriented to timetables as - yes, how what or where? There is moaning always and everywhere, whether rightly or not. Usually it's just verbal processing and all that didn't help me. Too late is too late


 


The free space directly at the door suited me well. I settled down, but couldn't get around a few short words about myself. This put me at a disadvantage, because the ideas of the others were of course not repeated for me. After a few stealthy, cautiously curious changes of view, the attention turned back to the speaker. So I could look around.


 


During a visit to the retirement home I still lower the average age. Here, in this windowless, art-lit, poorly air-conditioned training room in the basement, it was the other way round. As at most meetings during this time, I catapulted the average upwards. That's what the years bring with them and since in most cases I'm not ready to go with the time of my generation and simply be old, I always end up with younger people.


 


The week went by like wildfire, the new demanded mental energy to adjust to it. This March/April Lisbon already gave us an idea of what it would bring us for a summer. The days were warm and clear, at lunchtime, even hot. The sunlight flooded into the street canyon at this time of day and quickly heated up the walls.


 


The details are no longer available to me. A total mixture got stuck. People, atmosphere, principles of the company. Not that we have received interesting knowledge in these days until the final test. They were guidelines on how to do the job. You couldn't learn anything for life, but for survival. If you equate the need to earn money with the possibility to survive. And somehow it is the same after all.


 


Training done, the start in the job came next. So that was it, the new beginning of an interlude. So it was planned. It didn't come that way. I'm still here, almost two years later, enjoying my time. I don't still start, but again and again. Every day, every moment. Maybe that keeps me young in my head, this not always just letting me in on the routine. Routine as a measure to save energy in moments when you don't constantly need the concentration of a brain surgeon is okay. It is alarming when balance becomes a lifestyle. It blunts you. But everyone has to decide for themselves how to handle things and how to deal with themselves.


The second first day in Lisbon. I have stopped counting the beginnings. Yesterday there was another one and that without a single incident. Also earlier, there it happened. Basically, it does that all the time. Christmas was just around the corner, it's over again. And the new year does not end with a break in a few days. A new one begins.
A new beginning.


Again and again.

Monday, December 24, 2018

Und Abends im Delirium - Audiolog

Besinnungslos an Heiligabend





Audiolog - Bloggen für die Schreibfaulheit.


https://open.spotify.com/episode/4UBdQBrFlWhVlC3QzYmbZx?si=uxWMLCbBQoiNuk7uwsw8cg

Zeiten wandeln sich nicht. Wir akzeptieren den Wandel nicht. Den Weihnachtsmann - gibt es nicht? Aber Einblick, Rückblick, Ausblick. Und die besten Wünsche zum Fest. Für alle!

 

Im Dezember - Lyrik zum Jahreswechsel


 

Audio-Log: Bloggen für Schreibfaule.

https://open.spotify.com/episode/2bisc7qVIXuFhI2eGBhmA0?si=YVAn-HBBRJupW_TwJXl8bA

Sunday, December 23, 2018

Dieser Moment - vor dem Moment

[caption id="attachment_311" align="aligncenter" width="407"]greyscale photography of condenser microphone Photo by Tommy Lopez on Pexels.com[/caption]
Aus dem Audio-Log - Bloggen für die Schreibfaulheit.
 
 

https://open.spotify.com/episode/0V1vSC4Cd90dNlynKAOOU4?si=hmCPUl89RXWkEnqjPpXOPQ

 
Eine Episode aus dem Podcast von Chris:is.

Tuesday, December 18, 2018

Zwischenblick


 





Zwischen den Anfängen liegen Stationen. Oder sind das Enden?






Wann hört das Beginnen auf, wann startet ein Ende? Wer erkennt, an welchem Punkt der Fluss gerade ist? Fixpunkte sind schwer auszumachen im Fließen. Sie gleichen Treibholz im Strom. Was wir schlussfolgern können: Es ergießt sich von Quelle zu Mündung. Beides bleibt uns verborgen.






Sobald wir uns eingerichtet haben in den Routinen des Alltags, treiben wir dahin. Wie alles in der Natur sind wir ausgerichtet auf Energieeffizienz. Wir wollen nicht so sehr vorankommen, wie durchkommen. Leicht soll es sein.






Ab wann geht es weiter? Wann mündet Ende in Neuanfang? Wenn alles fließt, ist "Status quo" eine Illusion. Der Film läuft und selbst in Einzelbildern ist Bewegung. Das Sein lässt sich nicht zerstückeln in Teilchen. Wir sind so klein, dass wir das Ganze nicht überblicken.






Irgendwann geschah der Ortswechsel. Nun beginne und ende ich hier. Habe ich mich hier wiedergefunden? Wenn, dann muss ich mich irgendwo verloren haben.






Klarheit ist ein Konzept. Wie alles andere auch. Es bleibt uns überlassen, was wir annehmen und was nicht. Wer sich bedrängt fühlt, lebt in der Enge der eigenen Entscheidungen. Zum Glaube gehört Zweifel, zur Hoffnung Verzweiflung. Die Welt ist polar. Ungeteilte Einheit bedeutet Nichtsein. Nichtsein kann nicht sein, solange jemand Nichtsein denkt.






Das Nichts ist zu komplex, weil es alles sein könnte. Wir können uns finden oder damit abfinden - Dass nichts ist, was es ist, sondern das, wie wir es sehen.






So geht die Sicht immer dazwischen. Weil sie Beginnen und Beenden nicht auf einen Blick erfassen kann.






Zwischenblick.





Tuesday, December 4, 2018

Kopf verdreht

 




Habe mir den Kopf verdreht

Beim Hinterhersehen nach dem Leben.

Die Schöne ging vorbei und wurde Vergangenheit.

Manchmal leidet es sich besser, als es sich liebt.

Wir versuchen zu verzeihen und können nicht vergessen.

Neue Tage sind nur Lücken in der Nacht.

Es gibt kein Zurück, voran geht's meist auch nicht.

Wie will ich das nennen?


Und wenn du mich fragst, was ich will,

Zeige ich auf meinen Kopf.

Spürst du die Leere?

Ich weiß keine Antwort.

Hast du überhaupt die richtige Frage gestellt?

Wer bist du, dass du fragst?

Ich kann nicht ohne mich.

Du kannst nicht ohne dich.


Wir versuchen einander zu ergänzen auf der Suche.

Aber wie füllt die eine Lücke die andere?

Ineinander verschachteltes Nichtssein.

Leere Hände schenken am freigiebigsten.

Ich mag das Echo des Schweigens, es lullt mich ein in mir.

Mein Auge im Spiegel zeigt mich - unendlich.

Ich kann mich nicht finden in mir.

Aber wen suche ich überhaupt?

 

Saturday, December 1, 2018

Lisbon Draws 03










 

Ratten im Kopf - Rats in Head


Dieser Tage kreuzte eine Ratte meinen Weg. Ohne zu zögern tauchte sie auf aus den tintendunklen Morgenschatten und verschwand bereits wieder am Rand des Lichtkegels der Straßenlaterne, als ich sie bemerkte. Offenbar war eines der Kellerfenster da drüben ihr Ziel. Bis zum Ende der Woche hatte ich die kurze Begegnung schon lange wieder vergessen. Bis die Ratten spürbar genagt hatten.

Manchmal sind wir am Ende der Woche tatsächlich am Ende. Manchmal nagen die Ratten im Gemüt, schlagen scharfe Zähne in die Substanz. Aufgrund ihrer sozialen Eigenschaften und dem damit einhergehenden Instinkt, tauchen die Nager meist in Gruppen auf. Wenn es nagt im Hirn, ist es selten nur ein Tier. Die Beute wird zerlegt mit der dazugehörigen Effizienz, Gegenwehr zwecklos.

Die Anforderungen des Alltags fühlen sich gelegentlich an wie im Hirn nagende Rattenzähne. Manchmal scheinen sie das Erleben einfach in Form zu bringen, nagen das Überflüssige weg vom wuchernden Fleisch dessen, was sich uns aufdrängt. Sie beseitigen Müll, kümmern sich um Überflüssiges (oder Überfluss?) und lassen anderes zurück. Gelegentlich aber laden wir sie ein zu einem Festmahl an der Substanz. Immer dann können wir erkennen, dass es nicht das Geschehen selbst ist das nagt, sondern unsere Reaktion darauf. 

Wie das Pendel an einem Uhrwerk schwingen wir uns durch den Tag. Auf und Ab. Unablässig tickt die Uhr. Mal schwingen wir im Rhythmus dazu mit, klopfen den Takt mit der Fußspitze. Mal ignorieren wir die Geräusche, geben uns ganz uns selbst hin. Dann wieder empfinden wir sie als störend, lehnen uns auf dagegen, dass Fremdes den Ton angibt, dass wir nicht unsere Ruhe haben.

Dann kommen die Ratten.

Wie mit einem Rattengebiss nagt der Zahn der Zeit, obwohl diese wohl eher ein zahnloser Greis ist, der an seinem Brei mümmelt. Mehr bleibt nicht übrig für den gefräßigen Ewig-Alten, nachdem das Leben uns mitgespielt hat. Wohl oder übel, wie es das tut.

Nicht mitspielen heißt, sich wehren. Doch es weiß das Ende bereits am Anfang: "Gegenwehr zwecklos." Weigern und Verweigern kosten nicht nur Energie. Sie rauben sie. Dazu ist sie zu schade. Wenn wir nicht gegen die Ratten kämpfen, verlieren sie ihren Biss. Es ist eigenartig und klingt paradox. Dennoch ist es genauso.

 

Ich kann meine Aufmerksamkeit auf die Ratten richten, die auftauchen aus den Schatten, ebenso flüchtig wie ihr Ursprung. Da sind aber auch die anderen Dinge, denen ich mich zuwenden kann, sei es auch nur für einen flüchtigen Blick. Eine Amsel huscht vorbei, den Kopf gesenkt als wäre sie auf der Jagd. Da blühen Blümchen im Schatten, die im ersten Sonnenlicht anfangen werden zu leuchten und ganz zaghaft taucht irgendwo hinter dem Horizont das erste Tageslicht auf. 

Durchatmen und erinnern, wenn es trübe ist: Mit geschlossenen Augen scheint immer die Sonne, wenn wir wollen. Das ist keine Realitätsflucht. Realität ist das, woran wir uns erinnern und es damit aufrecht erhalten. Seien es nun Ratten im Kopf, der mitreißende Takt des Lebens oder die Sonne im Gesicht.

-->These days, a rat crossed my path. Without hesitation she emerged from the dark morning shadows and disappeared again at the edge of the light cone of the street lamp when I noticed her. Apparently one of the basement windows over there was her target. By the end of the week I had long forgotten this brief encounter. Until the rats had noticeably gnawed.
Sometimes we are actually at the end of ourseves when the week ends. Sometimes the rats gnaw in the mind, beat sharp teeth into the substance. Because of their social characteristics and the instinct that goes with them, the rodents usually appear in groups. When it gnaws in the brain, it is rarely just an animal. The prey is decomposed with the corresponding efficiency, resistance futile.
The demands of everyday life occasionally feel like gnawing rat teeth in the brain. Sometimes they seem to simply bring the experience into shape, gnaw away the superfluous from the proliferating flesh of what imposes itself on us. They remove garbage, take care of the superfluous (or abundance?) and leave other things behind. Occasionally, however, we invite them to a feast on the substance. Always then we can see that it is not the event itself that gnaws, but our reaction to it. 
Like the pendulum on a clockwork, we swing through the day. Up and down. The clock is ticking relentlessly. Sometimes we resonate to the rhythm, knocking the beat with the tip of our feet. Sometimes we ignore the sounds, give ourselves completely to ourselves. Then again we find them disturbing, leaning against the fact that something foreign sets the tone, that we do not have our peace.
Then the rats come.
The ravages of time gnaw like a rat's bite, although it is probably a toothless old man who mums up on his pulp. There is nothing more left for the voracious eternal old man after life has played along with us. Good or bad, as it does.
Not to play along means to defend oneself. But it knows the end already at the beginning: "Resistance futile". Refusing and refusing do not only cost energy. They rob it. It is too good for that. If we don't fight the rats, they lose their bite. It is strange and sounds paradoxical. Yet it is like this.

I can focus my attention on the rats that emerge from the shadows, as fleeting as their origin. But there are the other things I can turn to, even for a glimpse. A blackbird scurries by, its head lowered as if it were hunting. There blossom little flowers in the shade, which will begin to glow in the first sunlight and somewhere behind the horizon the first daylight emerges quite timidly. 

Take a deep breath and remember when it is cloudy: with closed eyes the sun always shines when we want. This is not a flight from reality. Reality is what we remember and thus maintain. Be it rats in the head, the rousing beat of life or the sun in the face.<--


Sunday, November 25, 2018

Lisbon Draws 02











Der erste Blick - The first view

Der 1. Erste Tag


Der Regen brachte die Sonne zum Vorschein. Oder war das nur die innere Sehnsucht, dass alles endlich aufhören sollte? Eine Sehnsucht, die ich in inneren Selbstgesprächen immer wieder formuliert hatte, mir bis dahin aber nicht eingestehen wollte.



Es schien doch, als wäre ich angekommen, als hätte ich mich in der letzten Nacht wirklich bewegt. Mit dem Zug, dem Flugzeug, zuletzt in einem Auto durch eine fremde Stadt. Selbst die lange Wartezeit auf Bahnhöfen und bei der Flugabfertigung war Bewegung gewesen. Aber es geht nicht schnell, ich will nicht vergessen. Noch nicht. Darum hingen die Tage der letzten Jahre wie Steine in einem Sack an meiner Schulter, jeder Schritt war ein zähes Waten in der Vergangenheit, um sie hinter mir zu lassen.



Was hier auf mich gewartet hat, war nicht das Erwartete. Immer wieder fallen wir auf Fassaden herein und interessieren uns nicht für die Konstruktion dahinter. Da glaubt man ein ums andere Mal, dass ein wenig Tünche genügt, um alles zu ändern. Ich weiß es besser. Aber die meisten Fallen im Leben suchen wir, um hinein tappen zu können. Wir brauchen diese Art von Selbstbestätigung. Als Menschen liegt uns Gewohnheit mehr als Veränderung, auch wenn das Eine schlecht ist und das Andere besser wäre.



In der Vergangenheit der letzten Jahre gab es den Plan für eine Zukunft, die ich nicht gewollt habe. Darum finde ich mich in einer Gegenwart, die anders ist als gedacht. An dem Tag als ich ankam im Regen dieser Stadt zwischen Flussmündung und Atlantik, wusste ich das noch nicht. Konnte es nicht wissen. Die Blätter im Buch meiner Geschichte waren leer wie immer, bevor ich sie beschrieb mit Leben und Erleben. Da sich ein Wort an das vorhergehende anknüpft, ein Satz dem nächsten vorausgeht und somit die eigene Geschichte entsteht, hätte mir das klar sein können.



An diesem ersten Tag duckte sich Lissabon unter Regen und Wolkenschleiern. Doch bereits das Grau der Ankunft ließ den Zauber ahnen, der ausgeht von hier. Mit dem die Stadt am Tejo einfängt und verführt, festhält und die Lust auf mehr immer wieder erneuert.



Dabei war der Start kaum rund. Wer bekommt schon einen perfekten Anfang hin beim ersten Anlauf? Mein Wohn-, Schlaf-, Lebensraum für die kommenden 12 Monate hatte die Grundfläche eines Strandlakens. Eines großzügig bemessenen Strandlakens immerhin, aber mehr nicht. Die Möbel einigermaßen sinnvoll zu arrangieren kam einem Tetrisspiel gleich. Der Ausblick zeigte den Gang vor dem Fenster, vor dem die Wohnungstüren abgingen. Mit ausgestrecktem Arm konnte ich bei den Nachbarn anklopfen und frische Luft bekam ich nur zugeführt, wenn auch die Verglasung in der Außenwand des Gebäudes geöffnet war.



Nachdem ich die Nüchternheit beim Anblick des Zimmers verdaut hatte, das man mir in dem Appartement zugewiesen hatte, konnte ich die Wohnung nicht verlassen. Keiner der fünf Schlüssel, die ich nacheinander benötige, um bis in mein Zimmer zu gelangen, passte in der Haustür. Weder vorne noch hinten. Ich fuhr hinauf in die Wohnung in den sechsten Stock und trank ab und zu einen Espresso. Während der Regen sich selbst und diesem Donnerstag im März treu blieb, wanderte ich zwischen meinem Zimmer, der Küche und dem Wohnzimmer hin und her, bezog das Bett mit der bereitgelegten Bettwäsche und versuchte mich einzurichten.



Man kommt nicht an in irgendeinem Raum, einer Umgebung, einer Gegend. Wenn man nicht ankommt bei sich selbst, bleibt man selbstverlassen. Bleibt hängen irgendwo in der Vergangenheit, in einem Geschehen, an einem Ort, der nicht mehr von Bedeutung sein sollte. Weil es/er das nie war.



 

-->The 1st first day



The rain brought out the sun. Or was it just the inner longing that everything should finally stop? A longing that I had formulated again and again in inner self-talks, but had not wanted to admit to myself until then.


It seemed as if I had arrived, as if I had really moved in the last night. By train, by plane, finally in a car through a strange city. Even the long wait at train stations and during flight handling had been movement. But it doesn't go fast, I don't want to forget. Not yet. That's why the days of the last few years hung like stones in a sack on my shoulder, every step was a tough wading in the past to leave them behind me.



What was waiting for me here was not the expected. Again and again we fall for facades and are not interested in the construction behind them. One believes time and time again that a little whitewash is enough to change everything. I know better. But we look for most traps in life in order to be able to tap into them. We need this kind of self-affirmation. As human beings, habit is more important to us than change, even if one is bad and the other would be better.



In the past of recent years there has been a plan for a future that I did not want. That is why I find myself in a present that is different than I thought. The day I arrived in the rain of this city between the mouth of the river and the Atlantic Ocean, I didn't know that yet. Couldn't know it. The leaves in the book of my story were empty as always, before I described them with life and experience. Since one word is tied to the previous one, one sentence precedes the next and thus my own story emerges, this could have been clear to me. 



On this first day Lisbon ducked under rain and clouds. But already the grey of the arrival gave a glimpse of the magic that emanates from here. With which the city on the Tejo captures and seduces, captures and renews the desire for more again and again.



The start was hardly round. Who gets a perfect start at the first attempt? My living, sleeping and living space for the next 12 months had the size of a beach sheet. A generously dimensioned beach sheet at least, but nothing more. To arrange the furniture in a reasonable way was like playing Tetris. The view showed the corridor in front of the window, in front of which the apartment doors went off. With outstretched arm I could knock on the neighbours' door and fresh air was only given to me if the glazing in the outer wall of the building was also open.



After I had digested the sobriety at the sight of the room which had been assigned to me in the apartment, I could not leave the apartment. None of the five keys I needed one after the other to get into my room fitted in the front door. Neither in front nor behind. I drove up to the apartment on the sixth floor and had an espresso from time to time. While the rain remained true to itself and to this Thursday in March, I wandered back and forth between my room, the kitchen and the living room, moved into the bed with the bed linen ready and tried to set myself up. 



You don't arrive in any room, environment, area. If you don't arrive at yourself, you are left alone. It gets stuck somewhere in the past, in an event, in a place that should no longer be important. Because it never was.<--



 


Saturday, November 24, 2018

Lisbon Draws 01





 

Intro



Jeder hat seine Hürden, scheut vor den eigenen Hindernissen. Ob nun real oder eingebildet. Wer aber will beurteilen wie echt das ist, was andere zurückhält? Ich habe gelegentlich Schwierigkeiten mit Erwartungen. Wovon andere wollen, dass ich es tue, ist manchmal genau das, was ich nicht will. Sei es, um nicht zu tun, was sie erwarten oder weil ich tatsächlich nicht will. Ich bin widerspenstig. Wenn ich nicht von mir aus zustimme, ist es nicht echt.

Zustimmen oder Ablehnen ist oft eine Frage des Durchkommens. Da will einer den Tag rumbringen ohne anzuecken, ohne alte Wunden aufzureißen oder neue zu bekommen. Der andere sucht den Widerspruch, um sich lebendig zu fühlen wie totes Herbstlaub, das durch den Gegenwind wirbelt.
Alles nicht wichtig. Zustimmung und Ablehnung, Anecken oder Durchrutschen spielen keine Rolle. Wir jonglieren mit Etiketten, die nicht zum Inhalt passen. Leeren Flaschen ist egal, womit sie gelabelt werden. Echt muss es sein. Das Gift ebenso wie der Hochgenuss. Beide wirken nicht als Unterdosis.
Also wollte ich der Anforderung nicht folgen, mein Erleben im neuen Leben von Anfang an zu skizzieren. Es wäre nicht echt gewesen, wäre eine unterdosierte Mixtur geworden. Nach 18 Monaten boten sich die Tasten den Fingern an und hinterließen erste Spuren. Ich sehe sie hier auf dem Bildschirm. Na und?
Ich mache mir über den Wert der Angelegenheit keine Illusionen. Entweder versuchen wir mit einem Zahnstocher Granit zu gravieren oder wir graben unsere Zeugnisse für die Ewigkeit in den Strand der Gezeiten. Es bleibt nichts außer dem Gefühl, dass da einmal etwas war. Oder gewesen sein könnte. Da bleibt nichts als Skizzen in Erinnerung und Gefühl.

–> Everyone has his hurdles, shy away from his own obstacles. Whether real or imagined. But who wants to judge how real that is which holds back others? I occasionally have difficulties with expectations. What others want me to do is sometimes exactly what I don’t want. Be it not to do what they expect or because I actually don’t want. I am stubborn. If I do not agree on my own, it is not real.
Agreeing or disagreeing is often a question of getting through. Someone wants to bring the day around without touching it, without opening up old wounds or getting new ones. The other seeks contradiction to feel alive like dead autumn leaves whirling through the headwind.
Everything is not important. Consent and rejection, ticking or slipping do not play a role. We juggle with labels that do not fit the content. Empty bottles don’t care what they are labelled with. It has to be real. The poison as well as the delight. Both do not act as underdoses.
So I didn’t want to follow the requirement to sketch my experience in the new life from the beginning. It would not have been real if it had become an underdosed mixture. After 18 months the keys offered themselves to the fingers and left first traces. I see them here on the screen. So what?
I have no illusions about the value of the matter. Either we try to engrave granite with a toothpick or we dig our testimonies for eternity into the beach of the tides. Nothing remains but the feeling that something once existed. Or could have been. Nothing remains but sketches in memory and feeling.
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